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20. März 2010

Interkulturelle Kompetenz am Beispiel Afghanistan

Interkulturelle Kompetenz am Beispiel Afghanistan

Frankenberg/Sachsen. Vom 17. bis 19. März veranstaltete die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung ein Seminar zur Einsatzvorbereitung für Soldatinnen und Soldaten des Standorts Frankenberg/Sachsen. Die Teilnehmer, alle geplant für den Afghanistan Einsatz, wurden im Verlauf des Seminars sensibilisiert für die besonderen kulturellen Unterschiede und die Möglichkeiten, mit ihnen Umzugehen.

Als erstes stellte sich aber die Frage: Was ist eigentlich interkulturelle Kompetenz und wozu brauchen wir so etwas? Die Antwort fand sich recht schnell. Interkulturelle Kompetenz als die Fähigkeit, mit anderen Kulturen vorurteilsfrei umzugehen und sich auf andere Verhaltensweisen einzustellen, sie zu akzeptieren und zu respektieren hilft allen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, kritische Situationen zu vermeiden und ein positives Bild der Bundeswehr in den Einsatzländern zu hinterlassen.

Um dieses Ziel zu erreichen reicht natürlich ein so kurzes Seminar nicht aus. Aber es sollte der Grundstein gelegt und zum weiteren Nachdenken angeregt werden. Um ein gutes Maß Theorie kamen die Seminarteilnehmer deshalb leider nicht herum. Was macht eigentlich Kultur aus? Nur das Theater, Museen und die Literatur? Oder geht Kultur viel tiefer? An verschiedenen Beispielen wurde herausgearbeitet, dass sich Kultur bis in den Lebensalltag des Menschen auswirkt. Wie sind die Familienstrukturen, wie wird miteinander umgegangen und geredet und vieles mehr wird maßgeblich durch die Kultur eines Volkes geprägt. Da auch die Geschichte einen erheblichen Einfluss auf die Kultur hat, wurden die fünf Grundzüge der afghanischen Geschichte kurz beleuchtet, um dann auf die heutigen Spannungsfelder zu kommen, durch die Afghanistan geprägt wird. Wenn man nun in ein solches Land kommt, wodurch wird dann eigentlich der Umgang mit der Kultur geprägt? Eine besondere Rolle spielen dabei die vier Phasen der Auslandsendsendung und die eigenen Stereotypen und Vorurteile (z.B.: „der Westen" gegen „die Afghanen"). Dabei sind diese Stereotypen nicht per se schlecht. Vielmehr helfen sie, die Flut an Eindrücken zu verarbeiten und das Umfeld zu bewerten. Es kommt aber darauf an, sie zu hinterfragen und gegebenenfalls auch zu verändern.

Um nun tiefer in die Kultur Afghanistans einzutauchen und besser zu verstehen, warum dort die Uhren anders ticken und sich die Menschen häufig anders verhalten, ging es weiter mit den Kulturdimensionen, also dem Verständnis von Zeit und Raum, der Geschlechterrolle, dem Verhältnis von Macht und Hierarchie usw. Dabei wurden die besonderen Unterschiede zwischen unserer individualistischen Ich-Kultur und der eher kollektivistischen Wir-Kultur Afghanistans schnell deutlich. Anhand weiterer Modelle, wie dem Eisbergmodell der Kultur und der Kulturzwiebel wurden die Ergebnisse weiter vertieft.

Einen besonderen Stellenwert erhielt noch einmal die Kommunikation. Sie verläuft in den beiden Kulturen unter erheblich anderen Vorzeichen, so dass es notwendig ist, sich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen. Wie kommuniziert man mit einer Frau? Spricht man überhaupt mit ihr? Was mache ich, wenn es zu einer gefährlichen Situation kommt? Gibt es da einen Konflikt zwischen interkulturell kompetentem Verhalten und dem Auftrag als Soldat? Diese Fragen wurden ausführlich in einem Vergleich der Kommunikationsstile bearbeitet.

Um den Themenkomplex abzurunden wurden auch die Grundlagen des Islam kurz beleuchtet. Wie wirkt sich die Religion auf das Alltagsleben der Menschen aus? Was gilt es zu berücksichtigen und welche „Fettnäpfchen" lassen sich vermeiden, um nicht unnötig die Gefühle der Menschen zu verletzen.

Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv. Viele fühlten sich danach besser auf Afghanistan vorbereitet, weil sie der Ansicht waren, besser beurteilen zu , warum sich die Menschen dort anders verhalten und Vorurteile abgebaut wurden. Damit war ein wesentlicher Zweck des Seminars erfüllt. Wenn sie sich auch für dieses Thema interessieren, wenden sie sich bitte an den Betreuungsbeauftragten Ost der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. Volker Specht unter v.specht@eas-berlin.de.

Text: Volker Specht
Bilder: Hubert Prinz

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