Das kürzlich verlängerte Mandat für den Bundeswehreinsatz in Af-ghanistan unterstreicht, dass von Soldaten im 21. Jahrhundert ein sensibler Umgang mit fremden Religionen und Weltanschauungen verlangt wird. Am Dienstag, den 21.10.2008, hatte die evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldaten (EAS) in Koopera-tion mit der evangelischen Militärseelsorge zu einer Fachtagung zum Thema „Islam und Islamismus - Dialog mit dem Christentum?" ins Soldatenheim eingeladen.
Der Einladung ins „Berghaus Geißbühl" waren zahlreiche Meßstetter Soldaten und Soldatin-nen gefolgt, die sich auf einen interessanten und gleichzeitig informativen Tag freuten. Nach der offiziellen Begrüßung durch Oberstleutnant Thomas Höhl in Vertretung des Kom-mandeurs Einsatzführungsbereich 1 eröffnete der Referatsleiter für Betreuung und Öffent-lichkeitsarbeit der EAS, Sören Lingenberg, die Fachtagung. Der Militärdekan, Christian Renovanz, führte in Form einer kurzen Andacht mit dem Hin-weis auf die bestehenden Grundrechte, insbesondere den Artikel 4 Grundgesetz zur „Glau-bens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit" geschickt zum Thema hin. Beim ersten Gastvortrag referierte Prof. Dr. Tilman Mayer vom Institut für politische Wis-senschaft und Soziologie in Bonn zur Einschätzung und Entwicklung der „Islamistischen Ideologie". Eines der immer größer werdenden Probleme im Inland sei die Imitationstäter-schaft, in deren Folge sich diverse Zellen ausbilden, die wiederum in engen Zusammenhang mit geplanten oder durchgeführten Anschlägen stehen.
Dabei verwies Professor Mayer unter Anderem auf die notwendige Trennung der Begriffe wie Islam, Islamismus, Fundamentalismus und Dschihadismus. Im Anschluss an seinen Vor-trag beantwortete der Referent die gestellten Fragen aus dem Auditorium bereitwillig und ausführlich. Der zweite Gastredner, Aziz Alkazaz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Orient-Institut Hamburg informierte zur Einschätzung der Wertesysteme im Christentum und Islam unter besonderer Berücksichtigung des Verständnisses vom Glauben und des Menschenbil-des. Alkazaz, selbst irakischer Abstammung und bekennender Muslime, zeigte viele Gemein-samkeiten zwischen Muslimen und Christen auf, die er durch Ausschnitte aus dem Koran untermauerte. Zusammenfassend stellte Alkazaz heraus, dass man nicht in die Vergangenheit blicken, sondern gegenwärtig und zukünftig versuchen sollte, noch mehr aufeinander zuzu-gehen. Es wäre für den Weltfrieden wichtig, dass die drei Makroregionen Europa, Russland und der arabisch/islamische Raum miteinander kooperieren.
Nach der Mittagspause befasste sich Prof.Dr.Dr. Karl-Heinz Kuhlmann von der Evangelisch-Theologischen Fakultät Leuven (Belgien) mit dem Thema „Islam-Tradition und historische Wahrheit. Eine Bestandsaufnahme." Nach Aussage des Referenten gibt es keinen gemäßigten Islam. Der Islam sei zudem nicht mehr übersehbar. Im Verlauf seines Vortrages ging Kuhl-mann auf historische Eroberungen seitens der Osmanen ein, die sogar bis Spanien bzw. Frankreich vordrangen. Leider stehe der Islam oftmals im Widerspruch zu den Grundsätzen des Grundgesetzes, so zum Beispiel beim Umgang mit Frauen.
Zum Ende seiner Ausführungen prangerte Kuhlmann die Unwissenheit der deutschen Öffent-lichkeit im Umgang mit dem Islam an und forderte einen zukünftig besseren Informations-stand ein. Im Anschluss an diesen Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion, bei der sich Professor Kuhlmann mit teilweise kritischen Äußerungen auseinandersetzen musste. Den Kreis der Gastvorträge schloss der Politikwissenschaftler Peter El-Samalouti, der in der Auswerte- und Analysestelle Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt NRW tätig ist.
Inhalt seines Vortrages waren die kulturellen Besonderheiten im Umgang mit Muslimen, die Wirkungsweisen des Islamismus und eine Gefährdungsanalyse des islamistischen Terro-rismus. Nach Aussage El-Samalouti, der selbst ägyptischer Abstammung ist, gehe die größte Gefahr vom Bereich der Missionierung aus, wohingegen die tatsächliche, offenkundige Gewalt be-kämpfbar sei. In seinen weiteren Ausführungen, die er auch mit praktischen Beispielen ver-deutlichen konnte, ging der Referent unter Anderem auf die Entwicklung und Tendenzen und die Gefährdungslage des Internationalen Terrorismus ein. Darüber hinaus zeigte er Vor-fälle terroristischen Ursprungs in Deutschland auf und schloss seine Ausführungen mit einer Handlungsempfehlung, den Dschihadismus als sicherheitspolitische Herausforderung zu er-kennen.
Am Ende der Fachtagung bedankte sich der Referatsleiter für Betreuung und Öffentlichkeits-arbeit der EAS, Sören Lingenberg, bei den Gastrednern für die gleichwohl interessanten als auch informativen Ausführungen und für die gute Bewirtung im Soldatenheim „Berghaus Geißbühl". Für die teilnehmende Truppe war diese Veranstaltung, gerade im Hinblick auf die aktuellen Auslandseinsätze, eine wertvolle und gern angenommene „Horizonterweiterung".
Seit 1957 ist die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V. überall dort aktiv um Betreuungsangebote bemüht, wo der Bund dies nicht leisten kann.