Beim Seminar zum Thema „Alt werden – verstehen“ nahmen die Teilnehmer aus dem Fliegerhorst Holzdorf ihre Welt einmal ganz anders wahr, als gewohnt.
Holzdorf. OFw M. staunt nicht schlecht, als er die Brille abnimmt. Er ist 28 Jahre alt. Eigentlich – denn heute ist er etwa 60 bis 70. Nur für kurze Zeit, denn er trägt einen Alterssimulationsanzug. Gewichte an den Fuß- und Handgelenken, Manschetten an den Gelenken, Handschuhe, die seine Bewegungsfähigkeit auf sehr ungewohnte Weise einschränken, ein Gehörschutz, der ihn schwerhörig macht, und eine Brille, die seine Sicht derart verändert, dass er den Seheindruck erlebt, wie er ihn eventuell in 30 bis 40 Jahren zu erwarten hat.
M. ist Teilnehmer eines Seminars, dass im Rahmen des Lebenskundlichen Unterrichtes im Fliegerhorst Holzdorf gemeinsam von Evangelischer Militärseelsorge und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. angeboten wurde. Etwa 30 Minuten absolvieren die Teilnehmer einen Parcours, der sie vor ganz einfache und alltägliche Aufgaben stellt. Nur heute ist das alles nicht so einfach.
„Ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie es im Alter mit meiner Leistungsfähigkeit sein wird. Kann ich noch zweimal pro Woche im Wald joggen, ohne fremde Hilfe, die Fernbedienung meines Fernsehers führen oder ohne eine Pause einzulegen, Treppen steigen? Der Test hat mir gezeigt, dass man es als betagter Mensch im täglichen Leben nicht immer leicht hat, aber er hat mir auch gezeigt, dass es keinen Grund gibt, vorm Altwerden Angst zu haben. Höchstens davor, im Alter vergessen zu werden.“ So fasst Oberstabsfeldwebel Torsten Schöne sein Seminarerlebnis zusammen.
Dinge, die wir in jungen Jahren problemlos bewältigen, werden im Laufe der Jahre erst immer schwieriger und irgendwann vielleicht zu einer unüberwindbaren Hürde. Dann sind wir darauf angewiesen, dass wir Hilfe bekommen. Durch diese „Exkursion“ in die Zukunft konnten die Soldaten erleben, was unter Umständen auf sie zukommt. Der Blick auf die älteren Mitmenschen hat sich während dieser Minuten ganz gewiss verändert. Wie können wir heute unseren Eltern und Großeltern helfen? Haben wir schon genug getan, um unsere Möglichkeiten zur Hilfe auszuschöpfen? Welche Möglichkeiten haben wir überhaut. Herr Sebastian Fiedler, Leiter einer Diakoniestation aus Thüringen, gab Auskunft über die Möglichkeiten von häuslicher, ambulanter und stationärer Pflege. Auf seinen Vortrag folgte eine intensive Diskussion, die sehr deutlich zeigte, wie nah und wichtig dieses Thema für uns ist.
Es scheint weit weg zu sein, und ist uns doch so nah - das Alter.
Text und Bilder: Alexander Feder
Seit 1957 ist die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V. überall dort aktiv um Betreuungsangebote bemüht, wo der Bund dies nicht leisten kann.